Finanzielle Gleichberechtigung in der Familie? Aber nicht mit Halbe / Halbe!

Emanzipation ist toll. Es ist gut, dass Frauen und Männer auf dem Weg sind, Gleichberechtigung zu leben, mittlerweile auch finanziell.
Das Prinzip „Jeder zahlt die Hälfte“ ist also beim ersten Zusammenziehen noch total fair und logisch –  doch wie geht es weiter, wenn Kinder dazukommen?

Liebe Frauen, Emanzipation heißt nicht: „Doppelt zahlen, bitte!“

(Liebe Männer, die Ihr finanziell und karrieremäßig wegen der Kinder zurücksteckt, Ihr seid natürlich auch angesprochen. Ihr seid aber noch so rar gesät, dass ich in der Überschrift auf die explizite Nennung aus SEO-Gründen verzichte, entschuldigt mich bitte.)
Wenn Kinder ins Spiel kommen, so steht die Karriere und das Geldverdienen erst mal hinten an – alleine schon, weil Frau das Kind nun mal austrägt. Emanzipation und Gleichberechtigung hin oder her, das ist Biologie und leider keine Verhandlungssache (oh, und was würden wir das gerne tauschen!!).

Auch über die ersten paar Jahre mit Kind gibt es in der Regel einen sehr großen Konsens, dass ein Elternteil sich persönlich liebevoll um das Kind kümmert. Die wenigsten Paare bringen es übers Herz, ihre Neugeborenen gleich fremdbetreuen zu lassen (zudem das ebenfalls eine sehr kostspielige Angelegenheit sein kann).
Also: Einer steckt zurück, einer verdient nichts mehr (oder zumindest deutlich weniger als vorher), einer verliert den Anschluss und den Fokus im Beruf, einer zahlt weniger in seine Rente ein.

Und doch: Viele Frauen haben nach der Geburt eines Kindes noch (oder erstrecht?) das Bedürfnis, ihre Unabhängigkeit zu wahren und wollen das gerne mit weiterhin 50% des Haushaltsgeldes beweisen. Das ist zwar verständlich und nachvollziehbar – aber zu kurz gedacht und mathematisch auch mehr als unfair gerechnet.

Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung:

Sagen wir mal, der Mann verdient 2000€ und die Frau 1000€. Die gemeinsamen Kosten liegen bei 1000€ für alles (haltet euch bitte nicht an den Zahlen auf – ist nur zur Veranschaulichung!!!).

Das bedeutet nach der „Ich bin eine unabhängige Frauen-Rechnung“: Beide zahlen 500€ in die gemeinsame Kasse ein.
Das heißt, der Mann zahlt ein Viertel in die gemeinsame Kasse ein und kann den Rest in seine Altersvorsorge und seinen Vermögensaufbau  stecken, das offiziell gemeinsame Haus mehr abbezahlen (was er bei einer hoffentlich nie später auftretenden Scheidung sicher dick auf das Butterbrot der Vermögensauseinandersetzung streichen wird), undundund.
Die Frau in unserem Fall halbiert jedoch ihr Einkommen für die gemeinsame Familie.

Fair, denn schließlich arbeitet er ja mehr?

Wohl kaum. Theoretisch müsste er ihr einen Lohn, einen Ausgleich, für die Kinderbetreuung und das mehr Hausarbeiten zahlen. Erst dann könnte man wieder darüber verhandeln, ob beide das gleiche in die Haushaltskasse stecken.

Und natürlich ist das blanke Theorie und die wenigsten Paare verhandeln so – aber die Rechnung an sich ist richtiger als die obige. Würden beide wieder 100% arbeiten gehen und behielten beide den Fokus auf der Arbeit, so hätten vermutlich beide um die 2000€ (+), könnten beide 1000€ in die Kasse einzahlen und eine Haushaltshilfe einstellen und ihre Altersvorsorge aufbauen undundund…
Blanke Utopie, ich weiß. Aber ein Ansatz.

Wenn Du also der Meinung bist, Du müsstet Halbe / Halbe machen, dann schätze doch bitte auch Deine neue Arbeitsleistung genau so hoch ein, wie die tatsächlich entlohnte Arbeitsleistung Deines Mannes!

 

Also: Wenn schon fair, dann nicht Halbe / Halbe!

Verabschiedet Euch bitte von der falsch gerechneten Unabhängigkeit. So funktioniert das mit der finanziellen Gleichberechtigung mit Kind nicht, ohne dass ihr Euch ins eigene Fleisch schneidet.

Warum ist das wichtig?

Geld sollte kein Stressor in der Beziehung sein – es gibt genug Reibungspunkte in Familien, dann brauchen wir nicht zusätzlich welche zu schaffen, indem wir von falschen Rechengrundlagen ausgehen. Es ist unabdingbar wichtig, dass jeder in einer Beziehung auch sein eigenes Geld behält – denn gerade weil wir heute so schön unabhängig sind, kann eine falsch geschaffene finanzielle Abhängigkeit schnell böse enden, vor allem im Alter.

Seid gut zu euch, dann geht es der Beziehung länger gut und euren Kindern später auch. Der Falsche 50:50 Stolz bringt euch da nicht weiter. Just my 2 cents. 🙂

Anette

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.