Was Staatsanleihen mit Faultieren zu tun haben

Frühlingswinde blasen durch die Märkte

Endlich gibt auch mal wieder eine andere Richtung als „aufwärts“. Der Dax ist gefallen von seinen Höchstständen um 12.300 um 1000 punkte, momentan pendeln wir um die 11.800.
Was sich so dramatisch anliest und manchem Anleger die Schweißperlen auf die Stirn treibt ist aber kein Grund zur ernsthaften Sorge, im Gegenteil. Solche Marktberuhigungen nehmen die Dynamik aus dem Aufschwung und sorgen dafür, dass nicht durch blinden Aktionismus zu große Blasen geschaffen werden.

Richtig interessant (nun ja, nicht für alle) ist die Entwicklung am Anleihemarkt: besonders die deutsche Staatsanleihe, vermeintlich sicherer Hafen und Zuflucht von Versicherungen, Pensionskassen und ängstlichen Anlegern, wird schwer durcheinandergewirbelt.

Was ist geschehen?

Staatsanleihen muss man aus zwei Richtungen betrachten.

Problem - Analyse - LösungEinmal das Papier selbst: hier steht drauf, wie viel am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird und was in der Zwischenzeit an Zinsen gezahlt wird. Fertig.

Während dieser Zwischenzeit aber wird das Papier an der Börse gehandelt und entwickelt einen Kurs – immer in Abhängigkeit dessen, wie das Angebot und die Nachfrage sind.

Ist die Staatsanleihe also attraktiv (weil sie z.Bsp. noch gute Zinsen verspricht, oder besonders sicher erscheint) so steigt der Kurs und die Renditen fallen (=> tatsächlicher Gewinn zwischen teurem Kaufpreis und Zinsertrag bis zum Ende der Laufzeit).

Ist sie nicht attraktiv (weil die Zinsen rundrum besser sind als die der Anleihe zum Beispiel), so fällt der Kurs und der Reinertrag zwischen – dem nun billigeren – Kaufpreis plus der feststehenden Zinsen, steigt.

Die letzten Jahre haben also die ewig schlechten Zinsen rundum und die Angst vor allem und jedem den Kurs von deutschen Staatsanleihen recht hoch und teuer gehalten.

Aber nun trägt die Geldschwemme endlich erste Früchte.

Die Konjunktur in Europa zieht an, und auch die Inflation steigt wieder.
Die Zinsen rundum fangen an zu steigen (noch nicht mit den Hufen scharren bitte, wir reden hier von 0,0XY %) und Staatsanleihen sind plötzlich nicht mehr so toll: die Nachfrage schrumpft, der Kurs sinkt.

Faultier sloth-318882_1280Der Rex, der Performance-Rentenindex Deutschlands, ist letzte Woche also um 0,9% gefallen – und in diesem trägen, behäbigen Rentenmarkt ist diese schnelle Bewegung so beachtlich, dass sogar von einem Crash gesprochen wird.
Für Fachleute sieht das aus, als renne ein Faultier mit 20km/h über die Straße: sensationell.

Die Folgen für die Zinsen:

– Baugeld wird etwas teurer, bisher ca. 0,4%
– Neue Auflagen von Staatsanleihen bekommen eine etwas bessere Verzinsung.
– Irgendwann gibt es auch einen leichten Zinsanstieg bei Tages- und Festgeldern.

Insgesamt wird das Zinsniveau aber noch einige Zeit ziemlich niedrig bleiben.
Sicher ist, dass die Phase der extrem niedrigen Zinsen irgendwann zu Ende geht…

 

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