Riester-Forscher betreiben Milchmädchenrechnung

Wer riestert, will seine Rente aufbessern und die staatlichen Zulagen abgreifen, wenn möglich auch noch ein paar Steuervorteile nutzen.
Damit diese Geschenke auch den volkswirtschaftlichen Zweck erfüllen, für den sie gedacht sind, hat der Gesetzgeber ein paar unumstößliche Regeln aufgestellt, denn Geschenke vom Staat sind immer auch an Bedingungen geknüpft. So sollte es auch sein, denn immerhin wird unser Sozialverein aus Steuern finanziert.
Die Bedingungen aus staatlicher Sicht sind einfach:
Willst Du die Vorteile nutzen, so musst Du Dein Geld – inklusive der Zulagen – so anlegen, dass Du es nicht verlieren kannst und es Dir so garantiert eine Zusatzrente erwirtschaftet.
Diese Zusatzrente muss lebenslang fließen, damit Du nicht doch noch irgendwann die Sozialkassen belastest, nur weil Du dein Geld bereits aufgebraucht hast.

Die Umsetzung dieser beiden Haken in passende Finanzprodukte obliegt der Finanzwirtschaft, alle 4 Riesterproduktarten (Versicherung, Bank, Fonds oder Bausparen) erfüllen diese Bedingungen. Selbstverständlich lässt sich die Finanzwirtschaft die Ausgestaltung bezahlen, die Kosten muss der Riesterkunde selbst tragen.
Wie in jeder freien Marktwirtschaft (und in der Finanzwelt sowieso) üblich, gibt es Produkte, bei denen der Kunde abgezockt wird und welche, die eher fair kalkuliert sind. Die Auswahl ist groß, wer sich ordentlich informiert, kann allein über die Kosten der verschiedenen Anbieter deutlich mehr Zusatzrente erhalten als derjenige, der einfach das erstbeste Produkt nimmt, welches er angeboten bekommt.

Was den Verbraucher aber in jedem Fall Geld kostet, ist die Beitragsgarantie (also die erste vom Staat geforderte Bedingung) – und dem Staat ist es egal, auf welche Art diese Garantie gehalten wird: Entweder wird von vorneherein weniger Zins zugesagt (Bank) oder es ist eine Versicherungsprämie zu zahlen oder es wird ein Fonds-Garantiekonstrukt gebaut.

Über dieses Fondskonstrukt wird in einem Artikel von Markus Siewers in der Frankfurter Rundschau über eine Milchmädchenrechnung zweier „Forscher“ berichtet, die den unbedarften Riesterkunden verwirren muß:
Die Kollegen (ich habe auch an der Frankfurt School of Finance & Management studiert) haben herausgefunden, dass diese Garantie den Kunden viel von seiner möglichen Rendite kostet – Renditeeinbussen, die er nicht zu zahlen hätte, würde er sein Geld in Fonds ansparen, die nicht diesem Bedingungswerk unterliegen.

calculatorUm zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis zu gelangen, braucht es eigentlich kein Forscher zu sein. Da braucht es etwas gesunden Menschenverstand und für diejenigen, die es genauer wissen wollen, 2 Minuten mit einem ordentlichen Taschenrechner.

Die wahrhaft neue Erkenntnis ist aber, dass „die Kosten der Beitragsgarantie durch die niedrigen Zinsen extrem angewachsen“ sind.
Das stimmt zwar für den Augenblick, unterliegt aber einem Gedankenfehler:
Wenn wir in der einen Richtung (nämlich beim Ansparen und beim Renditeverlust) über 42 Jahre rechnen – so muss der gemeine Forscher das auch in der anderen Richtung, nämlich bei der Zinsentwicklung, tun. Die Zinsen werden nicht ewig niedrig bleiben, also werden auch die Garantiekosten wieder sinken. Und auf diese langen 42 Jahre gerechnet, fällt auch eine momentan ungünstige Garantiekostenentwicklung nicht sonderlich ins Gewicht.
Natürlich mag es auf lange Sicht und mit einer ordentlichen Fondsauswahl sehr unwahrscheinlich – sogar nach heutigen Erkenntnissen fast unmöglich – sein, dass ein langfristig orientierter Fondssparer weniger zurückerhält, als er eingezahlt hat.
Das ist zwar richtig, geht aber am Thema vorbei:
Es ist müßig, sich über voraussichtlich entgangene Renditen Gedanken zu machen, wenn die Anlagebedingungen von außen festgelegt werden.

Der Staat kann sich nicht auf Wahrscheinlichkeiten einlassen und der Teufel ist ein Eichhörnchen – und wer hat jemals gehört, dass der Staat mit einem Eichhörnchen ins Bett steigt?

 

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo,

    das war ein sehr interessanter Artikel. Doch es muss hier erwähnt werden, dass die Versicherer die Hauptschuld tragen, wenn es um Leistungsniveau und Kosten geht. Es ist nicht verständlich, dass die private Rente an einen wirtschaftlichen und gewinnorientierten Zweig abgegeben wird. Man darf hier nicht vergessen, dass Aktiengesellschaften eine Verantwortung dem Aktionär gegenüber haben….nicht dem Versicherten.

  2. Also wir haben ein ähnliches Modell in AT wie die Riester Rente die ihr in Deutschland habt! Das staatlich geförderte Modell funzt aber nur, und da sind alle Modelle weltweit gleich, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Wer jetzt einsteigt wird vermutlich nur verlieren. In Deutschland ist ja sogar die Kapitalgarantie gefallen! Das steht uns in AT noch bevor! Somit kann es sogar sein, dass das Angesparte weniger wert sein wird, als eingezahlt wurde!

  3. Also mit ner Rente kann man doch sowieso nicht mehr rechnen! Das Problem ist ja nur die eigentliche Vorsorge weil die ja auch auf einem bestimmten Zinslevel aufgebaut ist ! Was macht man da? Man ist eigentlich verdammt dazu um zu spekulieren oder nicht? 🙁

    1. Hallo Sabine!
      Es ist ein Unterschied, ob Du spekulierst oder investierst. Bei einer gut strukturierten und strategischen Investition in einen Mix aus Anlagen musst Du aber überhaupt nicht spekulieren, das ist ein sich hartnäckig haltendes Ammenmärchen. Wir in Deutschland neigen dazu, die beiden Begriffe in einen Topf zu werfen, obwohl es zwei vollkommen unterschiedliche Sachen sind. Du kannst also durchaus mit einer auskömmlichen Rente rechnen – vorausgesetzt dessen, Du weißt, wie man das rechnet (Finanzbildung), hast genug Zeit (wenn Du kurz vor der Rente stehst, wird es schwierig) und bist bereit, den Preis dafür zu bezahlen (Konsumverzicht).
      Herzlichen Dank für Deinen Kommentar! 🙂
      LG
      Anette

  4. Gerade heute kann man aber gar nicht mehr wirklich seriös „investieren“ weil wir bereits in einem 7 jahre alten, auf fakes basierten, Bull Markt sind! Wie soll ich denn bei all den Ungereimheiten langfristig investieren können wenn ich von einer massiven Blase am Markt ausgehen muss?

    1. Hallo Ludmilla, vielen Dank für deinen Kommentar.
      Von welchem Markt sprichst Du denn? Und welche Fakes meinst Du denn?
      Es ist nicht problematisch, sinnvoll und rentabel zu investieren (nicht spekulieren!), wenn die Strategie gut ausgewogen und durchdacht ist.

      LG
      Anette

  5. Ich glaube Ludmilla spricht hier von Krisen die ja eigentlich nie überwunden wurden! Wenn dem so ist denn ich denke ähnlich, dann wartet sie vermutlich immer noch auf den „richtigen Zeitpunkt“ zum Investieren 🙂

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