Von Pferden und Netzwerken

In meiner Branche erhöht die anhaltende Unmoral der Finanz-Verkaufsindustrie stetig den Leidensdruck unter uns Fachleuten.

Da zuviel Druck aber bekanntlich Gegendruck erzeugt, wächst die Anzahl anständiger und unabhängiger Finanzdienstleister.

Von einer flächendeckenden Versorgung für die Bevölkerung kann aber noch lange keine Rede sein.
Ausserdem misstrauen wir uns auch noch untereinander  – schlechte Erfahrungen halten eben länger vor als Gute – und so sind wir meistens ausgesprochene Einzelkämpfer.
Und so manche Attitüde der althergebrachten Banker- und Versicherungsbranche ist auch unter den institutsfreien Finanzleuten zu entdecken:
auch hier findet sich der gelackte jungdynamische Anzugträger mit der typischen Ausstrahlung des Versicherungsverkäufers.
Ebenso der satte (Groß)Vatertyp mit der „mach Du nur, Mädchen“- Mentalität und der altbekannte „Zeig Du mir Deins, dann zeig ich dir Meins“-Informationssauger, der grundsätzlich mehr nimmt als er gibt.  (Sorry, dass ich hier nur männliche Stereotypen beschreibe, aber wir Frauen sind noch so unterpräsentiert, dass ich noch kein typisches Schubladendenken entwickeln konnte. 😉 )
Natürlich gibt es auch viele erfolgreiche und unprätentiöse Berater, die tatsächlich Informationen weitergeben, die wirklich interessiert an neuen Meinungen sind, die Anregungen als Chance, nicht als Kritik verstehen und mit denen man wohl auch Pferde stehlen könnte.

Denn genau das sind wir alternativen „Finanzfuzzis“ im Begriff, zu tun:

wir stehlen die Pferde von der Weide der großen Banken und Versicherungen.

Im Moment tun wir das größtenteils einzeln, jeder nimmt mal hier ein Pferd, mal da, – aber wirklich tiefgreifend reduziert haben wir die Herden der Institute noch lange nicht. Stutfohlen

Obwohl die Honoraberaterbewegung stetig voranschreitet und die Politik sich nun in alles einmischt (und wieder regulieren und verordnen will), bessert sich die Moral der Finanzindustrie nicht und von neuer Vertrauensbildung in der Gesellschaft kann keine Rede sein.
Ein umfassender Wandel kann und wird nicht von oben kommen.
Die schönsten Theorien nutzen nichts, weil die Umsetzung in der Praxis einfach nicht glaubwürdig ist.

Gesetze haben wir genug und die Ideologie der Honorarberatung ist toll, aber sie ist viel zu kurz gesprungen. Solange wir uns regional eingrenzen und jeder hauptsächlich auf seine eigenen Pfründe achtet, wird es auch zukünftig nicht vorangehen.

So können wir keine Herden von den Weiden der Allfinanzdienstleister herunterlocken, denn wir können einzeln nicht alle Belange des Kunden abdecken.
Wer von uns ist denn schon ein Allfinanzfachmann?
Wer ist gleichermaßen fit in Fonds, Einzeltiteln, Versicherungen, Immobilien, Beteiligungen, Darlehen, betrieblicher sowie allgemeiner Altersvorsorge, am besten noch Sachversicherungen und Rohstoffhandel?
Nun, ich bin es nicht.
Und ich glaube, die Wenigsten sind solche Allroundgenies.

Aber welchen Eindruck machen wir denn auf unsere Mandanten, wenn wir sagen müssen: „In diesem Fall kann ich Ihnen leider keinen Rat erteilen. Gehen Sie doch bitte damit doch zu einem Allfinanzinstitut!“?
Oder manipulieren wir doch lieber den Kunden in eine Richtung zurück, die ihn wieder in unser Spezialgebiet hineintreibt?
Oder wir könnten natürlich auch einfach ohne Gebietskompetenz beraten, um unsere Souveränität nicht zu gefährden.

Aber damit stellen wir uns wieder auf eine Stufe mit der etablierten Beratungsindustrie  –  denn schlechte Qualität bekommen sie dort auch.

Keine dieser Verfahrensweisen ist sonderlich vertrauensfördernd, für den Kunden heißt es schon wieder: Regen oder Traufe!

Die Lösung kann nur in echtem Netzwerken, in der von uns gelebten Arbeit und in unserer hohen Berufsethik zu finden sein

Echte Sinnwirtschaftler (herzliche Grüsse an Marc Flint) schließen sich auf lockerer Netzwerkebene zusammen und decken transparent, offen und ehrlich alle Belange des Kunden optimal ab.
Denn ein echtes Netzwerk lebt ja gerade davon, sich gegenseitig die verschiedenen Spezialitäten zukommen zu lassen:
Der Kunde braucht ein Zahnzusatzversicherung? Oh, ja, da kann ich helfen!
Sie brauchen eine Hausratversicherung? Nur zu, ich kenne da einen vertrauenswürdigen Makler, an den ich gerne verweise.
Schlechte Erfahrungen mit Immobilienmaklern? Das kann ich verstehen, denn auch ich habe lange gesucht. Aber ich weiß da jemanden für Sie!

Die uralte Angst der Berater, man könne sich ja gegenseitig die Mandanten abwerben, halte ich für hanebüchen.
Kunden bleiben doch auf Dauer sowieso nur bei einem Berater, bei dem sie sich rundum wohlfühlen. Wenn dies nicht der Fall ist, so zieht er über kurz oder lang sowieso weiter.
Und außerdem: was will ich überhaupt mit einem Kunden, der nicht von meiner Arbeit überzeugt ist?

Um also unseren Kunden echten Mehrwert bieten zu können, müssen wir über unseren eigenen Tellerrand hinausschauen.
Wir müssen genug Selbstbewusstsein entwickeln, um Kollegen und artverwandte Dienstleister nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung anzusehen.
Zusammen macht Pferde stehlen nämlich viel mehr Spaß – und die Pferde sind auch glücklicher!

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