Reisen bildet… Anette in Vietnam

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Wer mit mir auf facebook befreundet ist, konnte jeden Tag live verfolgen, was ich alles bei unserer Vietnam-Rundreise gelernt und erlebt habe. Für die, die nicht auf Facebook aktiv sind, gibt es hier im Blog die Zusammenfassung und Fotos. Viel Spaß damit!

Chaos mit Methode: Anette in Vietnam

Asien ist schon seit meiner Jugend DAS Reiseziel meiner Träume gewesen. Warum ich erst mit 47 Jahren dahin gekommen bin? Tja, rückwirkend betrachtet, frage ich mich das auch. Wenn ich mir die Jugend von heute anschaue, die ohne mit der Wimper zu zucken ein halbes Jahr in Australien verbringt, habe ich das ungute Gefühl, dass ich einfach zu bequem, konservativ oder tatsächlich zu feige war. Egal. Auch wenn es jetzt die „Erwachsenen-Reise“ mit allem Komm-fort, Komm-zurück und in der Reisegruppe war: Für uns war es ein großes Abenteuer, an dem ich Dich gerne teilhaben lassen möchte.

Tag 1, Hanoi

Bild könnte enthalten: Himmel und im Freien
Aussicht von unserer Hotelterrasse mitten in der Altstadt. Das Hotel hieß Moonview 2, kann man gut buchen.

(nach einem Nachtflug von 10,5 Stunden von Frankfurt erster alleine-Rundgang in der Altstadt)

Die Learnings des heutigen Tages:

Ananas schmeckt geil mit „Powder“ (Chilli, Zucker, getrocknete Fischsauce), Mofafahren ist hier eine Kunst, die jeder beherrscht.


Zu Fuß gehen muss die Grundlage der Jump-and-Run-Spiele sein (kann nicht anders sein!).


Pho Bo ist nicht in jedem Laden gut.

Geil hier!

 

 

Tag 2, Hanoi

Bild könnte enthalten: Baum und im Freien
Alle, wirklich alle, Stromleitungen sehen in Hanois Altstadt so aus. Bei uns würden die Stadtwerke Salto schlagen. Es gibt hier übrigens Menschen, die ihr Geld damit verdienen, dass sie wissen, wo welche Stromleitung hinführt – die muss man dann unter der Hand bezahlen und dann funktioniert das mit dem Strom…

Die Learnings des heutigen Tages:

Autos und Mofas werden nicht nach PS oder Qualität gekauft, sondern ausschließlich nach Lautstärke der Hupe.

Frauen tragen Schuhe hier nicht nach Zweckmäßigkeit oder gar in der passenden Größe – quatsch, Highheels gehen auch zum Jogginganzug im Museum oder auf dem Mofa (Wo sonst?).

Außerdem funktioniert hier sowohl der Strassenverkehr als auch die Stromversorgung nur unter konsequenter Missachtung aller Regeln.


Bier können sie. Ist anders, aber gut.
Geil hier. 😍

 

Tag 3, Provinz Nimh Binh

Bild könnte enthalten: Baum, Pflanze, Himmel, Gras, im Freien, Natur und Wasser
Das ist ein brachliegendes Reisfeld. Ich wollte Euch nur mal das nicht so tolle Wetter zeigen.

(hier gibt es die „trockene Halong-Bucht“, bewachsene Kalksteinformationen in der Landschaft. Ja. Ist ganz nett.)

Die Learnings des heutigen Tages:

Iss niemals asiatisches Buffet, das ist auch hier genauso schlecht wie im Rest der Welt.

Trinkgelder sind nicht immer eine freiwillige Leistung.
(Beim Bootchenfahren verlangte die Ruderin sehr ausdrücklich mehr als das, was uns vorher vom Guide als angemessen mitgeteilt worden war. Eine für uns ungewohnte und irritierende Erfahrung.)

Schlechtes Wetter ist, auch wenn es hier 30 Grad wärmer als bei Euch ist, immer noch schlechtes Wetter.

Ohne Hupkonzert fehlt mir was.
Ist heute nur mit Bier schön. Außerdem haben wir Jahrestag: 23 Jahre sind schon ne Hausnummer. Danke, Martin!

Trotzdem geil hier. (Optimismus ist kein Geburtsfehler.)

Es ist gut möglich, gleichzeitig an Gespenster zu glauben, Buddha anzubeten und nach konfuzianischen Regeln obrigkeitskonform zu leben, Dao sei dank. Klick um zu Tweeten

Tag 4, Dschunkenfahrt auf der Halongbucht

Anette Weiß Foto.
Halongbucht im Dunst – auch recht mystich. Es gibt über 2700 dieser Kalksteininseln, ungefähr 900 davon haben einen Namen.

Die nasse Halongbucht ist Weltkulturerbe und bekannt aus Funk und Fernsehen: Der erste Teil von Fluch der Karibik wurde hier gedreht, Ihr kennt das also alle.

Die heutigen Learnings:

Der Ertrag einer Reispflanze sind ca. 30 (bei erstklassigem Reis) Körner – also ungefähr ein Esslöffel gekocht. Eine 4-köpfige vietnamesische Familie braucht 20 kg Reis im Monat 😲 (wir schaffen das in einem Jahr).
Nachtrag von einem Reisbauern später: Bei normalem Reis ist der Ertrag deutlich höher, etwa 120 – 150 Körner.

Anette Weiß Foto.
Auch dieses Dorf steht unter Unesco-Schutz. Theoretisch sollte hier ökologische Fischzucht betrieben werden (die blauen Container unter den Planken halten die Becken, in denen die Zuchtnetze ausliegen) – Haupteinnahmequelle dürfte mittlerweile aber eindeutig der Tourismus sein. Es werden am Tag bestimmt 500 Ruderboote mit Touris durch dieses Dorf gepaddelt…

Es ist gut möglich, gleichzeitig an Gespenster zu glauben, Buddha anzubeten und nach konfuzianischen Regeln obrigkeitskonform zu leben, Dao sei dank.

Anette Weiß Foto.
Ihr seht den Hund? Dieses Fischerdorf steht komplett auf Stelzen/Luftcontainern im Meer, hintendran das sind nur die Felsen ohne Land drumrum.

Hunde sind in schwimmenden Fischerdörfern (auch als Fleischlieferant?) sehr beliebt, ich habe keine Ahnung, wo die hinkackeln (und will es eigentlich nicht wirklich wissen).

Schlechtes Essen war gestern die Ausnahme, wir wurden mannigfaltig entschädigt.😀

Immer noch keine Sonne, aber geil hier!

Tag 5, wieder Gegend Hanoi

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Das Wasserpuppentheater (Múa Rối Nước) gibt es nur in Vietnam. Seine Ursprünge sind unklar, aber wahrscheinlich war es schon im 11. Jahrhundert ein fester Bestandteil im kulturellen Leben des Landes. Diese Kunstform wurde streng geheim gehalten und nur innerhalb einer Familie von den Alten an die Jungen weitergegeben.

Meine Learnings des Tages:

Vietnam hat 3700 km Küste, aber der gemeine Vietnamese kann nicht schwimmen.
(Aus diesem Grund werden die Dschunkenübernachtunken* auch fast ausschließlich an eurpäische Touristen verkauft: Vietnamesen sind nicht gerne weit vom Land weg, schon gar nicht über Nacht, wenn die Geister kommen.)

Das Wasserpuppenspiel ist hier hochkulturell, hat für uns aber was von Kasperltheater – sogar mit dem bösen Fuchs, der die Ente klaut…. hysterisches Gelächter inklusive.

Wasserbüffel drehen mir immer den Arsch zu, wenn ich sie fotografieren will und Martin und ich sind beide Tierzeichen Hund und dürfen deshalb gerne zusammenbleiben.

Außerdem habe ich meinen Job als Frau schon getan – Ehepaare, die hier nicht nach einem Jahr schwanger sind, müssen zum Arzt. 🙄

Vive la Emanzipation und: es ist ziemlich geil hier!

*Es soll natürlich Dschunkenübernachtungen heissen. Ich finde den Jet-Lag Rechtschreibfehler aber so klasse, dass ich ihn drinlassen muss. 😉

 

Tag 6, Hanoi – Dong Hoi

Eigentlich hätten wir heute ganz früh weiterfliegen sollen, der Flug wurde allerdings einfach gecancelt. Also sind wir mittags geflogen und konnten dafür morgens das ethnologische Museum in Hanoi anschauen: absolut sehenswert!

Bild könnte enthalten: im Freien
Ist es zu glauben? Jeder – wirklich jeder (ob Frau oder Mann!) – musste beim Hochlaufen der Treppe an den Brüsten rumspielen. Ich hätte seeehr alberne Fotos machen können. ^^

Heute gelernt:

Der Inlandsflugverkehr funktioniert hier so gut wie unsere Bahn – allerdings ist hier nicht das wahnsinnig alte Equipment (der Flieger hatte sogar noch Aschenbecher!) dran schuld, sondern das Militär. Die MIGs fliegen auch auf Zivilflughäfen, wann Sie Lust haben und alles andere hat eben zu warten.

Ein Lichtblick für die Frauenwelt: in dieser konfuzianisch – sozialistischen Männergesellschaft gibt es auch zwei, drei ethnische Minderheiten, die Matriachate sind. Hier das Langhaus der Ê-đê, die rechte Treppe ist den Frauen vorbehalten… 😘

 

Asien ist cool!

 

 

Tag 7, Rumfahrerei ohne Ende….

Heute nur Essensfotos. Bericht kommt morgen – bin bratzfertig von einem 15 Stunden Bus-und Guck-Marathon.

Anette Weiß Foto.
Sehr, sehr lecker, eines meiner absoluten Lieblingsgerichte, wenn es gut gemacht ist: mariniertes und gegrilltes Rindfleisch in Betelblättern. Häppchen für Häppchen ein Genuß!

 

Anette Weiß Foto.
Nasse Frühlingsrollen, ich kenne sie unter dem Namen „Sommerrollen“. Sehr lecker gefüllt mit Reisnudeln, Gurke, Salat, Kräutern und wahlweise Scampi oder Fleisch. wirklich genial wird das ganze durch die dazu gereichte Sauce zum Dippen: Tamarinde, Erdnuss- oder Fischsauce muss schon sein!
Anette Weiß Foto.
Rindfleisch mit Zwiebeln und schwarzem Pfeffer: ein Vietnam-Klassiker, schön würzig. Vietnam ist übrigens der größte Pfefferproduzent der Welt. Von wegen Madagaskar!

 

 

Tag 8, Hue

Die Learnings von vor/gestern:

Bild könnte enthalten: 1 Person, sitzt und Innenbereich
Nicht täuschen lassen, die Europäer vorne sind unsere Reisegruppe. Ansonsten waren nur Vietnamesen in dem Lokal und es ist schade, dass ich Euch die Geräuschkulisse nicht rüberbringen kann!

Man baue eine Bambushalle und stellt ein Karaoke und ein paar Köche hin – schwupps, hast du ganz viele glückliche Vietnamesen auf einmal. Für uns besonders ungewohnt: Essensreste und Bierdosen landen einfach auf dem Boden.

Unser neuer Reiseführer war früher bei Carl Zeiss in Dresden „Betreuer“ einer vietnamesischen Arbeitsgruppe und erfreut uns mit selbstgeschriebenen Gedichten und Witzen, die er nur selbst lustig findet.


Ich bin 524 Stufen zu einer – zugegebenermaßen beeindruckenden – Höhle hoch gelaufen, um innen wieder 210 Stufen runterlaufen zu dürfen. Bevor ich den ganzen verf***n Weg nochmal zurück bin, habe ich kurz überlegt, ob ich einfach dort bleibe und Stalagmit werde.🤔


Aber sonst: Asien ist toll!

Tag 9, Hoi An

Nochmal ein Weltkulturerbe, gleich eine ganze Altstadt. Wunderschön und seeeehr touristisch.

Meine Learnings des Tages:

Bild könnte enthalten: Himmel und im Freien
Die Thien Mu-Pagode ist ein buddhistisches Kloster im vietnamesischen Huế, gelegen auf einer Anhöhe am nördlichen Ufer des Parfüm-Flusses. Mit dem siebenstöckigen Phước Duyên-Turm ist die Pagode die höchste Vietnams. Eine wunderschöne Anlage! Die von 4h früh bis 21h abends betenden Mönche schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Hier hätte ich gerne ein halbe Stunde gesessen und wäre nur „im Sein“ gewesen – aber leider hat unser Brigardeführer uns weitergetrieben. Merke: Falls du jemals dahin kommst, bring Zeit mit!

Tempel sind wie Kirchen, allerdings betet man hier sowohl Mensch als auch Gott an. Pagoden sind richtige Klosteranlagen mit Mönchen und gelebten Glauben, sehr spannend.

Obwohl der letzte Kaiser 1945 abgeschafft wurde, lebt der Kult um die „Obrigkeit als Heiligtum“ problemlos neben Ho Chi Min als Übervater fort – man darf weder den Thron im ehemaligen Kaiserpalast fotografieren, noch mit Hut oder Schuh in die heiligen Räume.

Männer (wahrscheinlich auch Frauen, aber da habe ich es nicht so mitbekommen), die in solch sozialistischen Gesellschaften auch nur ein kleines bisschen Macht haben (und sei es durch eine Uniform oder eine Stellung als Reiseleiter) neigen zu großen Gesten und dümmlicher Selbstüberschätzung: unser Brigardeführer Herr Thu hat es erstaunlich schnell geschafft, die Frauen unserer Reisegruppe nahe an die offene Rebellion zu bringen. Die Männer sind weniger aggressiv, aber genauso genervt.
Das wird noch spannend.
(Habt Ihr gewusst, dass 3 mal 7 = 21 ist? Na, wenn nicht – unser Herr Thu kann Euch das gut erklären! Mehrmals.)

Asien ist eben anders, aber klasse!

 

Tag 10, Hoi An

Learning heute:
Das Einstellen aufs Zielpublikum funktioniert schon seeehr gut hier. Wir wurden von zähen älteren Fischerfrauen mit diesen Schüsselbooten durch den stillen Wasserpalmendschungel gepaddelt – die koreanischen Reisegruppen dagegen von knackigen tanzenden Jünglingen immer die ein und selbe Strecke hoch und runter. Bevorzugte Songauswahl: Gangnamstyle.

Bitte sehr, eine Kostprobe:

Asien ist der Hammer!😅

Tag 11, immer noch Hoi An

Die Learnings des Tages:
Fahrradfahren macht saumäßig Laune hier, wenn man sich dem Chaos einfach anvertraut. Ich habe ein neues Hobby (aber nur hier. Ausschließlich.)

Weil die Vietnamesen abends durchlüften, kann man in die Wohnungen spitzen (das nimmt hier niemand krumm, es gibt nur ein freundliches Hello!): das Bett steht neben der Essgarnitur, daneben das Mofa (oder das Auto!) und der Hausaltar, darüber der Fernseher. Küche und Bad hintendran, fertig. Das ganze auf 3 Etagen für 3 Generationen (die Eheleute wohnen immer bei den Eltern des Mannes). Nix mit 3 Zimmer, Küche, Bad… Ich bin manchmal sehr demütig hier.

Bild könnte enthalten: 1 Person, lächelnd
Hoi An, im hinteren Teil des chinesischen Tempels.

Asiatische Magen-Medizin ist toll, dafür bin ich unserem Brigardeführer echt dankbar – die anderen, die es erwischt hat, essen seit gestern nur weißen Reis, ich hatte heute das schärfste grüne Curry meines Lebens.
 (Herr Thu hat sich übrigens rechtzeitig verabschiedet, bevor es zu einem offenen Eklat kommen konnte.)

 Der Drache neben mir ist nicht verwandt oder verschwägert.

Asien ist geil!

Tag 12, Ho Chi Minh City, besser bekannt als Saigon

Eine Weltstadt mit 10 Millionen Einwohnern, unglaublich.

Die Learnings des Tages:

Bild könnte enthalten: Nacht, Himmel und im Freien
Hotel de Ville in Saigon, erbaut von den Franzosen. Heute Sitz des Volkskommitees.
Bild könnte enthalten: Wolkenkratzer, Nacht, Himmel und im Freien
Die ganze Stadt leuchtet nachts, die Konzerne und Banken lassen sich die Illumination einiges kosten.

 

 

Wenn Hanoi das Kreuzberg von Vietnam ist, ist Saigon so was wie Schwabing, sagt Luan, unser neuer Guide. Geld spielt hier keine Rolle, außer für die, die keins haben.
Ich weiß noch nicht so recht, was ich von der Stadt halten soll.

Außerdem:
Wir regen uns ja alle so gerne auf, das Wasser ein Grundrecht sein soll und wie böse die Konzerne sind. Hier sind aber genau 3 Wasser unbedenklich zu trinken: eins von Nestle, eins von Coke und das letzte kommt von Pepsi. Wir hatten sogar mal eins, dass eindeutig nach Brackwasser geschmeckt hat…😐
Sollte denn nicht die öffentliche Hand es schaffen, sauberes und unbedenkliches Wasser zu gewährleisten? Sind die Konzerne denn wirklich alleine schuld?


Ansonsten bin ich jetzt am abend das erste mal trocken für heute. Martin behauptet, das sind alles die Wechseljahre, ich halte das für bösartige Verleumdung: 36 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit haben nichts mit meinen Hormonen zu tun. Gar nichts.

Nachtrag

Ganz wichtig:

Ich werde heute einen Burger essen. Ohne Gemüse. Ohne Reis. Ohne Stäbchen.
Mit viel Saigon-Bier und cooler Mucke.

Bild könnte enthalten: Personen, die sitzen, Getränk und Innenbereich
Für uns ein Muss in jedem Land/Stadt: Das Hard Rock Cafe! Den Hut gibt es übrigens nicht käuflich zu erwerben, dafür muss man schon ein besonderer Gast sein… 😉

Asien ist geil.

Tag 13, Mekong-Delta

Ich habe gelernt:

Anette Weiß Foto.
Romantisch ist es hier nur im Abendrot oder beim Sonnenaufgang – ansonsten tobt hier das Leben.

Geckos können schimpfen. Laut. Hört sich an wie ein schnatterndes Eichhörnchen.😲
Ansonsten ist diese riesige Flußlandschaft immer noch aus der Zeit gefallen: es gibt dort überhaupt erst seit 2000 Strom. Alles spielt sich nach wie vor auf, neben oder mit dem Fluß ab: waschen, transportieren, handeln, fabrizieren, schlafen… auch Lieben und Sterben. Unglaublich.

Anette Weiß Foto.
Fluss. Soweit das Auge reicht.
Anette Weiß Foto.
Touristenboot. Gibt es aber auch in der Produktions- und Transportvariante. Wenn ein Aufbau oben drauf ist, dient es auch in dieser Größe schon als Hausboot.

Meine Bekanntschaft mit dem Mekong fiel dann beinahe deutlich intensiver aus, als ich wollte: beim Einsteigen in eines der unzähligen Ruderboote, in denen wir gefahren sind, hätte ich das Teil fast zum Kentern gebracht. Vor lauter Bemühung, mein hochheiliges Handy zu beschützen, habe ich lieber das festgehalten als mich selbst….


Lakonische Bemerkung des Guides: Nicht alle Europäer haben lange, elegante Beine! Ich weiß nicht, was er meinte. 🤨
Vietnam ist toll!

Tag 14, Mekong-Delta

Gestern gelernt:
In Saigon liegt der Durchschnittsverdienst der 10 Millionen Einwohner bei 500 Euro im Monat und ist der höchste des gesamten Landes. Ein Tagelöhner-Bauarbeiter verdient ca. 220.000 Dong am Tag, das sind knapp 8,50€ – brutto (Krankenversicherung muss privat bezahlt werden, wie das mit der Rente ist, habe ich noch nicht herausbekommen).
Zum Vergleich: Eine Pho an der Straße kostet um die 30.000 Dong.
Reich/ wohlhabend wird man hier nur durch Handel, Korruption und – verbotene – Hahnenkämpfe.


Unser Guide hat Deutsch studiert, ist in der Regenzeit Reisbauer, betreibt einen Mountainbike-Verleih und eine Garküche für die hungrigen Fahrradfahrer (seine Frau kocht) – mit all diesen Bällen in der Luft hat er es mit 35 zu einem Wohlstand gebracht, der ein gutes Sprungbrett für „mehr“ ist (da will er eindeutig hin).
Für mich ist wieder mal klar: Bildung ist der Schlüssel zu allem, denn sie macht den Horizont frei – Pfiffigkeit und Mut braucht es natürlich auch noch.

Und weil es nicht fehlen darf: ein paar Eindrücke von einem Daymarket. Lecker!😃
Anette Weiß Foto.Anette Weiß Foto.Anette Weiß Foto.Martin Bohlmanns Foto.Martin Bohlmanns Foto.Martin Bohlmanns Foto.


Vietnam ist toll!

Tag 15, Insel Phu Quoc

Phu Quoc ist sowas wie das (zukünftige) Mallorca Vietnams: Traumhafte Strände, wunderschöne Vegetation, Pfefferplantagen und Naturschutzgebiete. Wir sind von Saigon nur 45 Minuten in dieses Paradies geflogen, um noch ein paar Tage auszuspannen – so klasse so eine Rundreise ja auch ist, ein bisserl „echter Urlaub“ muss dann schon noch sein.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.
Das ist das Außenbad unseres Stelzen-Bungalows im Mango Bay-Ressort. Es ist deutlich sauberer, als es auf dem Bild aussehen mag – und es ist ein sehr lustiges Gefühl, bei der „Sizung“ oder beim Duschen in den bungaloweigenen Garten zu schauen. 🙂

Ein Zwischendurch-Learning, von dem ich Euch ja noch garnichts erzählt habe:

Wie in vielen heißen Ländern, können auch die Asiaten nicht so viel mit Klopapier in ihrer Kanalisation anfangen.
Darum stehen übrigens auch in Spanien, in Griechenland oder in der dominikanischen Republik Eimer für das benutzte T-Papier neben der Toilette.
Fürs Pipi-machen komme ich damit klar, wir Frauen können ja nun mal nicht ohne Abtrocknen, soll alles seine Ordnung haben.
Für das Dilemma mit dem „großen Geschäft“ hat es hier aber eine – wie ich finde, geniale Lösung: Neben jeder Toilette, selbst im dreckigsten Loch, hängt eine Wasserdusche zum reinigen.

Abduschen, mit Papier abtupfen, (nicht mehr ekliges) Papier in Eimer, fertig.
Sehr ordentlich, das.🚽🚿
Steht übrigens in keinem Reiseführer.

Muss man sich zusammenreimen.

Tag 16, Phu Quoc, „Hauptstadt“

Mein Learning des Tages:
Auch meine Vietnambegeisterung kennt Grenzen.
Hier war es mir too much: Der Daymarket hier ist nicht gewöhnungsbedürftig, sondern gesundheitsgefährdend. Ich kann Euch keine Fotos zeigen, dazu hätte ich stehenbleiben müssen.😷

Außerdem Hundewelpen in Käfigen, freilaufende Kampfhähne und Dreck, wie ihn noch in keinem Ort im Land gesehen habe. Hauptsache, sie bauen rundherum ein 5 Sterne-Ressort nach dem anderen…

Ja, das ist bordeaux mit glänzenden Satin-Elementen und gelben Ecken. Der Designer muss blind gewesen sein.

Wir haben die hässlichste Tasche der Welt gekauft.

Warum? Tjaaaa. GG sagte, als ich am Flughafen eine wirklich abgefahrene Kipling-Rolltasche für 28 € kaufen wollte: „Warte mal, da finden wir sicher was billigeres, außerdem ist die albern!“
Jetzt sind wir eben peinlich für 15€. Auch gut.😅

 

Martin und die Frage: Wie isst man Krabben? Zum Glück war die Bedienung sehr hilfsbereit und hat uns die Tiere geknackt (ist eigentlich ganz einfach, aber man muss schon mal gezeigt bekommen, wie es geht).

Natürlich war nicht alles in dieser Stadt schrecklich, wenn Du Dich auf eines in Vietnam verlassen kannst, dann darauf, dass Du gutes Essen bekommst, wenn Du in Erfahrungbringen kannst, wo. Wir haben uns dann mit etwas ganz besonderem getröstet:
Meeresgetier vom Feinsten, für hiesige Verhältnisse jenseitig teuer, aber hammergut.

The Crab House: https://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g1184679-d8385690-Reviews-Crab_House_Restaurant-Duong_Dong_Phu_Quoc_Island_Kien_Giang_Province.html

 

 

Vietnam ist toll. Nicht überall.

 

Tag 17, Pho Quoc

Mein Learning des heutigen Tages:
Backgammon. Im Ernst, konnte ich noch nicht. Ich weiß noch nicht, ob es mir Spaß macht, habe ständig verloren.🙄
(Nachtrag: Backgammon macht mir Spaß. Das mit dem Verlieren hat sich mittlerweile gegeben – Martin empfindet meine gute Verbindung zum vietnamensischen Würfelgott als etwas unfair.)

Ansonsten kann es auch im Paradies langweilig werden, mir ist jetzt ist genug mit Strand, Meer und Rumgeliege.

Anette Weiß Foto.
Aussicht unserer Bungalowterrasse
Anette Weiß Foto.
Strand nach rechts
Anette Weiß Foto.
Strand nach links
Anette Weiß Foto.
Strand am Abend
„Einer unserer Mitbewohner :D“
Einer unserer Mitbewohner, ca. 10 cm lang. 🙂
Martin Bohlmanns Foto.
Strand am frühen Morgen.
Anette Weiß Foto.
Abschiedsdrink: Ein Saigon Slim. Viel Alkohol, nicht ganz so süß.

Vietnam ist toll. Ich will nach Hause!

Tag 18, Saigon – Frankfurt, Heimreise

Zwei Learnings für mich an diesem letzten, verdammt langen Tag:

Aus Vietnam raus zu kommen ist deutlich zeitaufwändiger wie rein.
Wir haben alle Pufferzeiten, die wir eigentlich mit letzten Souvenirs kaufen und rauchen (Hallo, das sind 13 Stunden Flug! Für mich eine echte Herausforderung!) verbringen wollten, damit ausgenutzt, am Check-in und in der Security Schlange zu stehen. Jeder Vietnamese, der ausreisen will, wird genau angeschaut und tlw. befragt, auch bei uns waren sie sehr ordentlich – da merkt man die sozialistische Staatsführung dann doch nochmal sehr deutlich.

Außerdem:

Was ich im Kopf hab‘, habe ich nirgendwo anders… – das Universum hat mir noch ganz schnell die besagte Tasche am Inselflughafen geliefert. Jetzt ist die hässliche Tasche IN der albernen Tasche!

Bild könnte enthalten: Schuhe
Alberne Blümchen, aber ich habe meinen Willen. 😉 Kostenpunkt 20 €.

 

Tag 19, das Chaos ohne Methode geht weiter.

Oh Mann, war das ein Ritt! Wir waren insgesamt 23 Stunden unterwegs. Irgendwann, wenn ich mal wirklich groß bin, will ich unbedingt mal 1te Klasse fliegen: Das Eingequetschtsein in diese winzigen Sitze neben fremden Menschen ist nicht wirklich schön. Aber natürlich ist das Jammern auf extrem hohen Niveau und ich würde es jederzeit wieder machen.

Einen Tipp /ein Learning habe ich aber noch für diejenigen, denen die Anschlussverbindung mit der Bahn vom Flughafen aus auch schon so um die Ohren geflogen ist, wie uns (wir haben einmal von Frankfurt nach Saarbrücken fast genauso lang gebraucht wie von der Dominikanischen Republik nach Frankfurt….): Mietet Euch bei Sixt, Buchbinder o.ä. ein Auto, dass ihr an Eurem Wohnort zurückgeben könnt. Coole Sache, das: Auto abholen, Gepäck bequem einladen und gemütlich im eigenen Tempo nach Hause kutschieren.
Kostete bei uns gerade mal 10,- € mehr als es das Bahnticket gekostet hätte und wir waren ratz fatz zu Hause.

Ich hoffe, Ihr hattet ein wenig Freude an meinem Bericht und es hat in Euch das Fernweh geweckt:
Das Schönste, was man mit Geld machen kann (wenn ansonsten ja alles gut ist), ist: Reisen! 🙂

Herzlich grüßt
Anette

 

 

 

 

 

3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Anette, mit großer Freude und breitem Grinsen habe ich Deinen tollen Reisebericht über Vietnam gelesen. Ja, es stimmt, wenn einer eine Reise tut, so kann er viel erzählen!
    Auch für mich ist Reisen das Größte. Ich habe inzwischen 53 Länder bereist und noch viele auf meiner To-Do-Liste. Zum Glück konnte ich meine Reise-Leidenschaft zum Beruf machen: sechs Jahre als Reiseleiterin, vorwiegend als Rundreiseleiterin in Südostasien (Thailand, Indonesien, Taiwan, Singapur, Hongkong, Nepal, Indien, Bhutan, Burma und Philippinen) aber auch in Südamerika, USA und Kanada, später privat Neuseeland, Australien und noch viele mehr.
    Nach meiner Heirat habe ich 12 Jahre in Jakarta / Indonesien gelebt – eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
    Ich kann mir also aus eigener Erfahrung sehr gut vorstellen, wie es Euch so ergangen ist.
    Wenn Ihr also einen Tipp für Eure nächste Reise braucht, rufe mich einfach an. Vielleicht bin ich ja schon dort gewesen…..
    Herzliche Grüße
    Heidrun

  2. Was Dein Blog mir bisher gebracht hat:

    – Geldwissen
    – Denkanstöße
    – gute Tipps

    Was dieser Urlaubsbericht mir zusätzlich gebracht hat:

    – Fernweh
    – schöne Erinnerungen
    – Freude
    – die Feststellung, dass Du nicht nur mit Geld umgehen kannst, sondern auch mit Worten, Martin, Chaos und überhaupt allem was das Leben Dir vor die Füße wirft
    – Lachfalten

    Fazit: Danke

    (und: man nehme mich das nächste Mal mit in Urlaub 😉 )

  3. Hallo Anette,
    ein Hammer-Artikel! Vielen Dank dafür – ich habe jeden einzelnen Buchstaben genossen! Ich weiß genau, für die Tropen bin ich nicht gebaut. Aber auf das vietnamesische Essen würde ich mich freuen – mag ich hier schon sehr gern!

    So, und jetzt muss ich was tun!

    Zauberhafte Grüße
    Birgit

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