Grenzen des Geldmanagements

Ich glaube, Geldumgang hat sehr viel mit Grenzen zu tun. Eigentlich gibt es nur drei Grenzen im Finanzbereich. Allerdings haben demokratisch gesinnte Menschen so ihre Probleme mit Grenzen. In der Theorie wollen wir nämlich frei sein. Wir wollen frei reisen können, wir wollen frei entscheiden können, wir wollen tun und lassen können, was uns in den Sinn kommt. Allerdings will das nur der Einzelne für sich selbst. Die anderen, die, die mit dieser Freiheit nicht umgehen können, sollen im Sinne des Allgemeinwohls reglementiert werden. Natürlich funktioniert das nicht. Denn Jeder ist auch ein Anderer und so wird auch Jeder reglementiert.
Schaut Euch also den Finanzsektor an. Eigentlich herrscht hier immer noch relative Freiheit. Jeder Anleger kann frei entscheiden, was und wie er anlegt. Hinterher ist zwar oft das Geschrei groß, denn es werden auch Entscheidungen getroffen, deren Tragweite nicht überblickt wurde. Finanzprodukte sind eben zum Teil sehr kompliziert und anstatt die eigenen Grenzen des Verstehens zu respektieren, haben sehr viele Anleger die Freiheit genutzt, ihrem Berater blind zu Vertrauen.
Und warum? Weil die eine große, unüberwindbare Grenze des Geldmanagements nicht akzeptiert wird: die marktwirtschaftliche Grenze, bestimmt von Angebot und Nachfrage. Sie erlaubt es nun einfach mal nicht, eine risikolose Geldanlage mit einem exorbitanten Zinssatz auf den Markt zu bringen. Das war immer schon so und das ist durch nichts auszutricksen. Kein Produkt dieser Welt kann das garantieren, auch nicht, wenn der Berater noch so sehr daran glaubt und der Kunde noch sehr daran glauben will.
Also muss jeder einzelne bei der Geldanlage seine inneren Grenzen auslosten. Er selbst ist derjenige, der entscheiden muss, auf was er sich einlässt. Denn es hilft nicht, sich einfach über die eigenen Grenzen des Verstehens und Nachvollziehens hinwegzusetzen und zu Vertrauen. Denn mit dem vorschnellen Vertrauen begehen wir den größtmöglichen (illegalen) Grenzübertritt – wir begeben unser Wohl und Wehe in fremde, manchmal sogar unbekannte – Hände. Und wir machen das in keinem Bereich so unüberlegt wie im Finanzbereich. Laden sie jemanden in ihr Haus ein, den Sie nicht kennen? Geben sie Ihr Kind in fremde Obhut, ohne zu vertrauen? Kaufen sie sich eine Handwerksleistung von einem gänzlich Unbekannten ein? Nein, das tun Sie nicht. Aber ausgerechnet beim Geld tun Sie es. Erstaunlich, wie unlogisch die menschliche Psyche sein kann. Hier übertreten wir aus Gier, Bequemlichkeit, Hoffnung und Glaube unsere innere Grenze. Vollkommen unbedacht, vielleicht etwas skeptisch – aber immer und immer wieder! Und hinterher hatten wir entweder Glück und unser Vertrauen wurde nicht ausgenutzt oder halt eben doch. Dann suchen wir aber einen Schuldigen.  Selbstverständlich ist den Produktgebern und Abzockern vorzuwerfen, die Gutgläubigkeit der Kunden auszunutzen. Hier werden täglich unsere gesellschaftlich gesetzten Grenzen von Moral und Anstand überschritten. Aber diese Branche akzeptiert nur eine einzige Grenze – und diese wird ausschließlich durch den eigenen Gewinn markiert. Das ist Unternehmertum und Kapitalismus in Reinkultur, so ist unsere Wirtschaftsordnung und das sollte jeder Verbraucher verinnerlichen. Vertrauen in Finanz-Institutionen ist vollkommen fehlangebracht.

Derjenige, der es verbockt hat, ist also letztendlich immer, IMMER man selbst. Man hat aus Unkenntnis, Bequemlichkeit und Gier Dinge entschieden, die bei näherer Betrachtung und bei Beachten der inneren Grenze niemals in Frage gekommen wären.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass sie allen Beratern misstrauen sollten, auch nicht, dass Sie ihr Geld ausschließlich auf Sparbücher legen sollen (weil dieses Produkt ja nun wirklich einfach zu verstehen ist), das heißt aber, dass Sie hinterfragen sollen. Vertrauen Sie Ihrem Berater in Ihrer Offenheit – seien Sie ehrlich in Ihren Angaben und Zielsetzungen. Nur so kann er Ihnen raten. Aber hinterfragen Sie seine Vorschläge, hinterfragen Sie seine Produkte und fragen Sie, was er (oder seine Institution) denn von dem Verkauf dieses Produktes hat. Denn selbstverständlich muss und soll er ja etwas davon haben. Ob ein Honorarberater nun sein Honorar dafür bekommt oder ein Provisionler seine Provision: Sie müssen entscheiden, ob und wie viel Sie zu zahlen bereit sind.  Akzeptieren Sie Ihre eigene Unwissenheit und Unsicherheit und seien Sie unbequem! Fragen Sie so lange nach, bis Ihr innerer Anlageberater Ihnen sagt: Ja, das habe ich verstanden, davon bin ich überzeugt! Nur so können Sie Entscheidungen treffen, die innerhalb Ihrer eigenen Grenzen liegen und mit den äußeren Grenzen kompatibel sind.

Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Wie wahr, liebe Anette! Manchmal sind sie schon komisch. Also die Menschen. Laufen hinter dem her, der ein tolles Produkt verspricht. Hmm, wieso ist das so? Wirklich nur Gier? Oder einfach eine Art LOTTO-Spiel. Ich werde schon gewinnen (obwohl jeder weiß, wie gering die Chancen sind….). Interessant, darüber nachzudenken :o)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.