Ladylike, Womancare, Ladyprotect… – Frauenkrebs macht Kasse

Versicherungen sind erfinderisch.

Jedes Quartal kommen neue Versicherungsprodukte auf den Markt – und da die zu versichernden Risiken endlich sind, werden eben die Namen immer phantasievoller und die Fallkonstruktionen immer abenteuerlicher.

Ein Beispiel dafür hat meine Freundin Helga Wiesmann in ihrem Blogartikel
Gesundheit. Geld. Sicherheit. Schutz.
aufgeführt.

Sie hat festgestellt, dass momentan viel Werbung für spezielle „Frauenkrebsvorsorge“ gemacht wird.
Für sie, die sich als ausgewiesene Expertin auf die Begleitung von Krebserkrankten spezialisiert hat, war das Grund genug, mich zu fragen, was ich aus Finanzprofisicht von dieser Art der Versicherung halte:

Optimistische junge FrauWie immer ist die Antwort auf (fast alle) Finanzfragen: Es kommt drauf an!

Diese Art von Versicherung ist eine reine Risikoabsicherung, das heißt, frau bezahlt monatlich einen gewissen Beitrag (ca. 25 ,- € im Durchschnitt gerechnet) ein und erhält, sobald die Diagnose „Frauenkrebs“ (also Brust, Gebärmutter, Eierstöcke, Vagina, Vulva) gestellt wird, 50.000,- €.
Kommt diese Diagnose irgendwann einmal, so erhält sie das Geld – kommt diese Diagnose niemals (ja, bitte!), so sind alle eingezahlten Beträge perdu.
Fertig.

Diese 50.000,- € können vollkommen frei verwendet werden

– was sich im ersten Augenblick ja ganz gut anhört. Lasst uns da mal näher hinschauen…

Die Krankenversorgung an sich übernimmt die Krankenkasse, auch eine eventuell notwendige Brustrekonstruktion wird übernommen.
Sollen alternative / außergewöhnliche kosmetische Behandlungen dazukommen, so könnte das Geld dafür sicherlich gut zupaß kommen.

Dann aber weiter:

Was ist mit dem riesigen Verdienstausfall in der Rekonvaleszenzphase?
Was ist mit dem Finanzausfall, wenn der Partner wegen der Kinderbetreuung nur noch halbtags arbeitet, solange die Frau vollkommen out of order ist?
Was ist mit den auflaufenden Kreditraten für das Haus?

Jetzt mal im Ernst: 50.000,- € sind für eine Familie  in einer solchen Situation ein (nicht sonderlich lustiger) Witz.

 

Diese 50.0Cancer therapy word cloud00,- € sind in genau zwei Fällen ein „gutes Geschäft“:

Entweder, die Diagnose wird einer kinderlosen Singlefrau in einem solch späten Stadium gestellt, dass die Überlebensaussichten gleich null sind und es ihr trotzdem gut genug geht, das Geld dafür zu nutzen, noch eine Weltreise zum Schluß zu machen. (Hollywood läßt grüßen!)

Oder sie wird so früh gestellt, dass die Erkrankung mit einem Minimalaufwand an Arbeitsausfall und Rekonvaleszenz gestemmt werden kann. (Ja, es gibt Wunder. Aber nicht so oft.)

Wie hoch die Wahrscheinlichkeiten für diese beiden Fälle sind, kann sich jede Frau ausrechnen…. dazu braucht es nicht mal einen Taschenrechner.

 

Und welche Frau bezahlt was wofür?

Sagen wir mal, eine 25-jährige schließt diese Versicherung ab, dann zahlt sie bis zum 69ten Lebensjahr mindestens 25,- € monatlich, die sie nicht in eine allgemein greifende Krankenzusatzversicherung oder in eine Berufsunfähigkeitsversicherung einzahlen kann…

Erkrankt sie, so muß es eine der oben aufgezählten Krebsformen sein.
Statistisch deutlich wahrscheinlicher erkrankt sie allerdings an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder an einem psychischen Leiden. Und auch wenn Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei der Frau ist, so sind es doch nur 15% aller Krebserkrankungen.

Da fast alle Krebsarten bei älteren Menschen sehr viel häufiger auftreten als bei Jüngeren, könnte sie ja mit dem Abschluß der Versicherung auch warten bis zur Rente. Wieder Pech gehabt, denn die Versicherung darf nur von unter 65-Jährigen abgeschlossen werden – und wird natürlich umso teurer, umso älter frau ist… Und erkrankt sie erst mit 70 Jahren, so hat sie doppelt Pech gehabt, denn dann ist die Versicherung laut Bedingungen…. erloschen.

 

Es kommt also auf die einzelne Frau an, ob diese Versicherung sinnvoll ist oder nicht.
Ich für meinen Teil lege mich aber fest und sage:

das ist kein Produkt, über das die Frauenwelt im großen Stil nachdenken sollte.

Hat frau eine familiäre Prädisposition für eine dieser Frauenkrebsarten, so könnte sie eventuell im Sinne von „nice to have“ darüber nachdenken – aber selbst dann würde ich das erst nach der Sicherung einer grundsätzlich großzügigen Berufsunfähigkeitsversorgung oder einer Dread Disease (Schwere-Krankheiten-Versicherung) tun.

 

 

Weitere Infos zu diesem Thema:

->  FinanzTest: Geld-bei-Brustkrebs-Versicherung-fuer-Frauen

-> Fernsehbeitrag im WDR-Ratgeber : sendungen/krebsversicherung

 

 

 

 


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3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ich finde es immer anrüchig, Ängste zu schüren, um damit Geschäfte zu machen. Doch so ist unsere Geschäftswelt überwiegend gestrickt, z.B. überwiegend auch die Gesundheits- und Kosmetikindustrie … Hoffentlich wirkt Dein Statement dem etwas entgegen, liebe Anette 😉

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