Alternative Geldanlagen: P2P Kredite sind kein dubioses Geschäft

Ein böhmisches Dorf für mich: P2P-Kredite

Ich kenne mich gut aus in Geldanlagen – das ist ja auch kein Wunder, immerhin bin ich ja mittlerweile schon seit 27 Jahren in der Finanzbranche. Wozu wir Profis aber ganz gerne neigen, ist eine gewisse Arroganz: Wer so lange dabei ist, hat ja alles schon mal gesehen und glaubt ganz gerne, dass die eingefahrenen Wege die einzig wahren Wege seien…
Da ich aber dem etablierten Bank- und Versicherungsgeschäft schon lange den Rücken gekehrt habe, beobachte ich mit Freuden, dass sich „da draußen“ neue Entwicklungen Bahn brechen.

Eine dieser neuen Entwicklungen ist das sogenannte P2P-Geschäft, also Kreditvergabe von privat an privat – ohne Beteiligung einer Bank, die die Macht in Händen hält. Ich beäuge also diese neue Sparte der Kreditvergabe schon länger, habe aber nie die Zeit gefunden, mich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen: Hey, auf meinen eigenen Spezialgebieten (Finanzbildung und ETFs) up to date zu sein erfordert ganz schön Zeit und der Tag hat nur 24 Stunden!
Aber: Stillstand ist Rückschritt (schaut Euch mal die Banken an, dazulernen sieht anders aus!), also sehe ich mir das jetzt doch mal genauer an. Dabei ist natürlich extrem hilfreich, dass ich per Zufall auch noch den Experten für P2P-Kredite auf facebook kennengelernt habe und er so freundlich ist, mich und Euch bei meiner Reise in neue unbekannte Geldanlagegefillde zu unterstützen:

Freut Euch mit mir über eine Einführung ins P2P-Geschäft und den wunderbaren Gastartikel von Lars Wrobbel!

Hallo Anette, vielen Dank für die Einladung und dass ich die Möglichkeit habe, deinen Lesern den Investment-Horizont etwas zu erweitern.
Kurz zu mir: mein Name ist Lars Wrobbel, ich bin 32 Jahre alt, wohne in Delbrück im schönen Ostwestfalen und bin von Beruf IT-Berater in einem recht großen und bekannten Konzern. Ich bin allerdings auch parallel selbstständig und verkaufe seit 2013 Bücher bei Amazon, interessiere mich für Investitionsmöglichkeiten, verkaufe Kindershirts im Internet und blogge seit Anfang 2016 über p2p-Kredite im Internet.

Was genau ist P2P und was bedeutet es?

P2P steht bei diesem Geschäftsmodell für “person to person”, was übersetzt so viel wie „von Menschen zu Mensch“ bedeutet. Wenn es um P2P geht, fallen auch oft die Worte “Social Lending”, “Crowd Lending” oder ganz einfach “Privatkredite”.

Um P2P zu verstehen, schauen wir uns am einfachsten einmal das klassische Bankenmodell an:

Auf der einen Seite stehen dort die Kreditgeber, die ihr Geld zur Bank auf ihr Sparbuch bringen und dafür eine bestimmte Rendite erhalten. Sie sind unbewusste Kreditgeber. Auf der anderen Seite haben wir die Kreditnehmer, die Geld benötigen und dieses gegen Zinszahlung von der Bank bekommen, sofern die Bonität des Kreditnehmers eine Kreditauszahlung zulässt. Die Bank zahlt nun dem Kreditgeber weniger Rendite, als sie Zinsen vom Kreditnehmer bekommt. Dies nennt sich “Marge” und ist quasi der Gewinn der Bank. Sowohl Kreditnehmer als auch Kreditgeber haben hier keinen wirklichen Einfluss auf die Höhe der Zinsen.

P2P funktioniert ähnlich, aber anders:

Auch hier haben wir wieder einen Kreditnehmer und einen Kreditgeber. Im Unterschied zur Bank weiß der Kreditgeber aber bewusst, dass er ein Kreditgeber ist, und es gibt in der Regel auf einen Kredit mehrere Kreditgeber. Der Kreditgeber wählt den Kreditnehmer mithilfe der P2P-Plattform direkt aus und signalisiert so Investitionsinteresse. Daher auch der Name P2P. Auch hier zahlt der Kreditnehmer entsprechende Zinsen. Jedoch fehlt die Bank als vermittelnde und kontrollierende Stelle. Für die klassische Bank tritt nun eine sogenannte P2P-Plattform ein. Diese hat einzig und allein die Aufgabe, beide Parteien (Kreditnehmer und Kreditgeber) über eine speziell dafür konzeptionierte Internetplattform zusammenzubringen. Für diese Leistung behält sich die Plattform in einigen Fällen eine gewisse Provision ein oder verdient, genau wie die Bank an der Marge zwischen den Angeboten auf Kreditnehmer- und Kreditgeberseite. Beim Investment in P2P-Kredite investierst du also bewusst dein Geld in Kreditanfragen von dir vollkommen unbekannten Menschen. Das Geld wiederum kann der Kreditnehmer für verschiedenste Dinge einsetzen. Für eine Renovierung oder die angehende Selbstständigkeit, aber auch genauso in den neuesten Flatscreen oder einen Luxusurlaub.

Worin liegt der Vorteil für dich als Anleger?

Als Anleger hast du verschiedene Vorteile. Der allerwichtigste Vorteil, wenn du bereits ein bestehendes Aktien oder ETF Portfolio hast, ist aber die Diversifikation. P2P Kredite korrelieren nicht mit dem Aktienmarkt. Börsenschwankungen wirst du dort in der Regel nicht merken. Mit der Beigabe von P2P-Anteilen zum klassischen Aktienportfolio wird die Diversifikation also signifikant erhöht und die Korrelation zwischen den Anlageklassen gesenkt.

Somit bedeutet eine Beimischung von Privatkrediten zusätzliche Sicherheit für dein Gesamtvermögen, welche du recht einfach nutzen kannst. Ein reines Aktienportfolio korreliert sehr stark miteinander, weshalb ein Investment in P2P-Kredite als eine Art Stabilisator verwendet werden kann. Als Ergebnis leidet das Portfolio bei Krisen nicht so stark, wie es im Normalfall wäre, und erzielt eine vergleichsweise bessere Rendite ohne zusätzlich erhöhten Aufwand.

Welche Plattformen gibt es?

In Deutschland gibt es nicht allzu viele Plattformen. Allen voran und mit großem Abstand zum Rest befindet sich die Plattform Auxmoney. Seit vielen Jahren am Markt, zeigt sie dem Einsteiger wie die grundlegenden Werkzeuge einer Plattform funktionieren. Im Ausland dagegen sieht es anders aus. Gerade im Baltikum tummeln sich die derzeit beliebtesten Anbieter wie Twino, Mintos und Bondora. Was die Rendite angeht, kann man dort Auxmoney nicht einmal mehr im Rückspiegel sehen. Aber auch technisch sind die baltischen den deutschen Plattformen weit voraus. Insgesamt gibt es in Europa derzeit knapp 100 Plattformen mit einem Umsatzvolumen von nahezu 500 Millionen Euro monatlich!

Die Sache mit dem Tellerrand

Wir als Deutsche lieben unsere alteingesessenen Anlageformen wie z.B. das gute alte Sparbuch. Auxmoney als Crowdlending-Plattform ist schon ein riesiger Schritt für viele Anleger. Eine Anlage im Ausland dagegen gedanklich ein Ding der Unmöglichkeit. Doch der Blick über den Tellerrand lohnt sich! Folgend ein Abzug meines auf dem Blog öffentlich geführten Portfolios beim Anbieter Mintos in Lettland:

Das Portfolio ist jetzt knapp 1 ½ Jahre alt und bringt mir inzwischen monatlich einen Cashflow von 20 – 30 EUR mit größtenteils abgesicherten Krediten und wenig Inkassofällen. Das Geld wird automatisch reinvestiert, das Konto braucht ein Minimum an Betreuung. Wir sprechen hier von knapp 5 Minuten im Monat um genau zu sein.

In meinen Augen ist es nicht risikoreicher im Ausland anzulegen. Das Geld ist in gleichem Maße und besser abgesichert als hier in Deutschland. Die viel gehypte Rückkaufgarantie gibt es nämlich hierzulande nicht. Du solltest also das vermeintliche Risiko in Kauf nehmen und die Vorteile anderer Plattformen nutzen. Meine Empfehlung daher: Starte gern mit Auxmoney, aber lege parallel auch ein Konto bei einer Plattform mit Rückkaufgarantie wie Twino oder Mintos an, um den Unterschied kennenzulernen. Selbst mit 10 EUR kannst du dort schon in Kredite investieren, und Erfahrungen sammeln.

Wieviel Geld solltest du in P2P investieren?

Als Experte in dem Thema bin ich mit 15 – 20% meines Gesamtportfolios schon sehr risikoreich unterwegs. Generell empfehle ich einen Betrag von 5 – 10% und nicht mehr. Du kannst P2P-Kredite als Diversifikation zu deinem bestehenden Portfolio nutzen, denn P2P korreliert nicht mit dem Aktienmarkt, solltest dir aber auch bewusst sein, dass es nach wie vor als Hochrisiko-Investment gilt. Warum? Hauptsächlich deswegen, weil P2P-Kredite den Test einer Finanzkrise noch nicht überstanden haben. Es gibt zwar Daten aus den USA aus der letzten Krise, allerdings war 2008 / 2009 P2P in Europa faktisch noch nicht vorhanden.

Steige also behutsam in diese Anlageklasse ein, lerne sie kennen und profitiere von den Vorteilen.

 

Wo kannst du mehr über P2P Kredite erfahren?

Ich habe mich im letzten Jahr bemüht für angehende Investoren verschiedene Angebote zur Verfügung zu stellen. Wenn du gerne Blogs wie den von Anette liest, möchte ich dich auch herzlich auf meinem Blog passives-einkommen-mit-p2p zum Lesen einladen. Es gibt dort zu vielen ausländischen Plattformen Artikelserien, in denen ich diese mit meinem Geld teste und dir berichte. In einem regelmäßigen Newsletter halte ich dich auch mit sonstigen Themen auf dem Laufenden.

Wenn du mehr Bücher bevorzugst, gibt es auch hier eine Anlaufstelle für dich. Mit vielen Gastautoren aus der Szene und mit weit über 1000 verkauften Exemplaren ist “Investieren in P2P Kredite” von meinem Co-Autor Kolja Barghoorn (Aktien mit Kopf) und mir mittlerweile das Standardwerk zu P2P Krediten in Deutschland geworden. Es würde uns freuen, weitere Leser zu gewinnen, die dann auch erfolgreich in P2P investieren.

Abgerundet ist die alles mit einer Investoren-Community auf Facebook, die inzwischen über 850 aktive Investoren zählt. Hier wird sich untereinander geholfen und Fragen sind schneller beantwortet, als bei jedem Plattform-Support. Auch hier bist du herzlich willkommen!

Ich wünsche dir nun viel Erfolg bei deinem Investment und hoffe, dass wir wieder voneinander hören.

 

Dankeschön, lieber Lars – und ja, wir hören ganz bestimmt voneinander! Ich habe nämlich beschlossen, mir bei Mintos ein Portfolio einzurichten und meine ersten Schritte zu wagen. Deine Argumentation bezüglich unseres home bias („Da bin ich zuhaus, da kenn ich mich aus!“ ist einer belietesten Anlagefehler auch im ETF-Bereich) trifft nämlich voll auf mich zu – und ich habe beschlossen, dem nicht nachzugeben. Eine Hürde, über die ich nicht drübergesprungen wäre, wäre allerdings für mich eine englichsprachige Webseite gewesen (man lasse sich niemals auf etwas ein, was man nicht zur Gänze versteht!) – aber das fällt hier direkt weg, ganz oben kann man nämlich schon gleich mal auf Deutsch umsstellen. 🙂

Also: Ich lege dann mal los. Und ich freue mich, dich in einem der nächsten Artikel mit meinen Gedanken und Fragen dazu „anhauen“ zu dürfen: Was ich mich frage, fragen sich sicher auch andere!


Habt Ihr Fragen an Lars? Oder an mich?

Seid nicht schüchtern, immer her damit: Unten in den Kommentaren ist genau der richtige Platz dafür!

Und wenn Euch der Artikel gefallen hat, so freuen wir uns darüber, wenn Ihr teilt, liked und verbreitet, was das Zeug hält!

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